Madras

Die Flugtickets f├╝r unsere Wochenendreise buchten wir telefonisch. Das hatte dann zur Folge, dass Nicos Ticket auf “Nicolasm” und meines auf “Alexzand” ausgestellt war. Mit der Schreibweise von Namen scheint man es in Indien nicht so genau zu nehmen. Probleme bei den Sicherheitskontrollen hatten wir an dem Freitagabend jedenfalls keine.

Gegen 23:00 erreichte unsere Boing 747-800 der Fluggesellschaft Jet Airways die Hafenstadt Madras am Indischen Ozean. Vom Flughafen aus lie├čen wir uns mit einer Rickshaw zum Stadtzentrum bringen. Auf der 20-min├╝tigen Fahrt durch die Stra├čen und Gassen von Madras, wurde ich Zeuge von Armut und Elend, wie ich es in diesem Ausma├č noch nicht gesehen hatte.

Menschen schliefen mit Stofffetzen bekleidet am Stra├čenrand. Es waren nicht wenige. Abgemagert waren sie alle, manche hatten offene Wunden, einige von ihnen sahen aus als w├Ąren sie tot – oder jedenfalls kurz davor. Am schlimmsten war es zu sehen, wie auf einem kleinen Platz eine ganze Gro├čfamilie lag. Drei Generationen lagen dort, neben einem Abwasserkanal, umgeben von M├╝ll und streuenden Hunden.

Auf eine luxuri├Âse Unterkunft haben wir daraufhin verzichtet und checkten in einem einfachen Hotel ein. Lang war unsere Nacht sowieso nicht. Am n├Ąchsten Morgen stand schlie├člich noch einiges auf dem Programm. Es f├Ąllt mir ├╝brigens nicht leicht, in einem Abschnitt von menschenunw├╝rdigen Gegebenheiten zu berichten und einige Zeilen sp├Ąter von pr├Ąchtigen Bauwerken und tollen Sandstr├Ąnden zu schw├Ąrmen. Aber so ist Indien nun mal. Glamour und Elend wohnen hier T├╝r an T├╝r.

Fr├╝hst├╝cken waren wir am Samstagmorgen in einem kleinen Caf├ę. Zu einem Cappuccino bestellte ich mir ein St├╝ck Schwarzw├Ąlder Kirschtorte. Auf die Frage warum die Torte eigentlich ‘Black Forest’ genannt wird, wusste die Bedienung allerdings keine Antwort.

Ein au├čergew├Âhnlicher Tempel in Madras ist der Kapaleeshwarar Kovil. Das Shiva-Heiligtum beherbergt das g├Âttliche Ehepaar Kapaleeswarar. Er wurde im drawidischen Stil erbaut und ist einer der bedeutsamsten Tempel des Shivaismus, einer hinduistischen Glaubensrichtung. Unsere Schuhe mussten wir vor dem Betreten des Gel├Ąndes ausziehen. Gef├╝hrt wurden wir durch die Anlage von einem M├Ânch, der uns die unterschiedlichen Rituale (roter Punkt und wei├če Asche auf Stirn…) erl├Ąuterte, die notwendig sind, um die Gottheiten zu ehren und deren Segen zu erlangen.

Anschlie├čend besuchten wir die St. Thomas’ Cathedral, in der angeblich die Gebeine des heiligen Thomas liegen. Die r├Âmisch-katholische Kirche wurde 1504 erbaut, 1893 bekam sie eine neugotische Fassade und 1986 wurde sie von Papst Johannes Paul II. besucht.

Am Nachmittag sind wir am Marina Beach angekommen. Da Madras in einer flachen K├╝stenebene, nur knapp ├╝ber dem Meeresspiegel, liegt, waren die Folgen des Tsunamis verheerend. Von den Sch├Ąden ist allerdings nichts mehr zu sehen. Der Strand ist mit 13km der zweit l├Ąngste der Welt.

Nachdem wir uns in einem chinesischen Restaurant gest├Ąrkt hatten, suchten wir den Busbahnhof auf. Es ist der gr├Â├čte Indiens und ist – warum auch immer – nach ISO 9001:2000 zertifiziert. Von dort aus lie├čen wir die Millionenmetropole Madras hinter uns und fuhren in die 3,5 Stunden entfernte Stadt Pondich├ęry.