Ulsoor und der Bull Temple

Auch das ist Bangalore: neben schön angelegten GÀrten, Shopping Malls und Technologieparks, findet man auch Stadtteile, in denen Elend und Verwahrlosung vorherrschen. So z. B. in Ulsoor.

Gestern hatten wir erst den Ulsoor Lake angeschaut, der eigentlich schön war, wenn man davon absieht, dass das Wasser leicht grĂŒn war. Der dazugehörige Fluss glich eher einer MĂŒllhalde. Eigentlich ist es wirklich schade, dass die Menschen so mit ihrer Natur umgehen. Doch diese plagen andere Sorgen. Direkt am Fluss leben Menschen in Slums. Ganze Familien leben in Zelten aus Plastikplanen. Die Kinder scheinen sich ihrem Schicksal noch nicht bewusst.

Stadtteilwechsel: Basavanigudi. Hier besichtigten wir den Bull Temple. Kempe Gowda, der GrĂŒnder von Bangalore, ließ 1537 den Tempel errichten. Im Innern findet man ein Abbild von Nandi, einer Gottheit in Wesen eines Bullen. Die Statue besteht aus einem knapp fĂŒnf Meter hohen Granitmonolith.

Den Abend haben wir im erst kĂŒrzlich eröffneten Hard Rock Cafe Bangalore ausklingen lassen. Die AtmosphĂ€re, aber vor allem die Musik haben mir sehr zugesagt. Bangalore ist nach Bombay nun die zweite Stadt in Indien mit Hard Rock Cafe.

Shiva, Sterne und St. Patrick

Heute besichtigten wir den Shiva Temple im Herzen Bangalores. Am Eingang steht eine große Statue von der Gottheit Ganesha, dargestellt durch das Wesen mit dem Elefantenkopf.

Einige Meter weiter ist dann eine noch grĂ¶ĂŸere, etwa 20 Meter hohe Statue zu sehen. Diese stellt Shiva (“Der GĂŒtige”) dar. Shiva ist einer der wichtigsten Götter des Hinduismus. Im Innern des Tempels war es ziemlich dunkel. Die Klangkulisse und sich bewegende Figuren (zu sehen im Video) schufen ein seltsames Ambiente.

Anschließend wollten wir zu den Sternen. Also besuchten wir das Jawaharlal Nehru Planetarium. In einer 90minĂŒtigen VorfĂŒhrung wurde der die Entstehung unseres Universums und PhĂ€nomene wie das Schwarze Loch und die Supernova abgehandelt.

Gegen Abend schauten wir uns noch die prĂ€chtige St. Patrick’s Church in der Brigade Road an. Die zwölf SĂ€ulen in dem römisch-katholischen Gotteshaus weisen auf die zwölf Apostel hin.

The Big Bang was an explosion that destroyed nothing, but created everything.

Delhi

Delhi hat 11,5 Millionen Einwohner und ist damit die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Indiens und die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt der Welt. Direkt an Delhi angeschlossen ist Neu-Delhi, die Hauptstadt Indiens, in der “nur” 330.000 Menschen leben. Faktisch bilden beide Distrikte jedoch eine urbane Einheit.

Am spĂ€ten Samstagabend checkten wir in einem kleinen Hotel in Delhi ein. Nach dem FrĂŒhstĂŒck stand das Rote Fort auf dem Programm. Wie das am Vortag besichtigte Rote Fort in Agra ist auch das Rote Fort in Delhi Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Es ist das grĂ¶ĂŸte Bauwerk in Delhi, wurde von 1639 bis 1648 erbaut und ist dem Fort in Agra nachempfunden. Ein Burggraben umgibt weitlĂ€ufige Hallen, luxuriöse MarmorpalĂ€ste, eine Moschee und kunstvoll angelegte GĂ€rten.

Nach dem Roten Fort suchten wir die nur 500 Meter westlich gelegene Jami Masjid auf. Der Weg war gesĂ€umt von Basaren auf denen reger Handel herrschte (zu sehen im Video). Auch eine Jami Masjid existiert in Delhi wie auch in Agra. Die AusfĂŒhrung in Delhi fĂ€llt jedoch weitaus grĂ¶ĂŸer aus. Die rot-weiße Jami Masjid ist Indiens grĂ¶ĂŸte Moschee und wurde zwischen 1650 und 1656 erbaut. Wir als Nicht-Muslime mussten allerdings vor dem Torbogen warten bis die Gebetszeit vorĂŒber war. Eintritt (200 Rupien, knapp 4€) mussten wir nur fĂŒr unsere Kameras bezahlen. Der Innenhof kam mir gigantisch vor, 25.000 GlĂ€ubige sollen darin Platz finden.

Auf dem Weg vom “alten” Delhi nach Neu-Delhi legten wir eine kurze Mittagspause ein. Dann besichtigten wir das Regierungsviertel. Kaum fassbar: von hier aus werden 1,1 Milliarden Menschen regiert. Der Mittelpunkt stellt das Rashtrapati Bhavan dar. In dem Anfang des 20. Jahrhundert erbauten Palast residiert der PrĂ€sident von Indien.

Als wir die breite Strasse abwÀrts gelaufen sind, kamen wir zum 42 Meter hohen India Gate. Dort fand eine Parade statt und Blassmusik spielte. Das 1921 erbaute Monument wurde nach dem Vorbild des Arc de Triomphe in Paris entworfen und erinnert an die im Krieg gefallenen indischen Soldaten.

Unsere finale Station war der Lotustempel. Dieser prĂ€chtige Tempel wurde vor 20 Jahren in Form einer LotusblĂŒte gebaut und erstrahlt abends im Scheinwerferlicht.

Als unser Flugzeug pĂŒnktlich kurz nach 21:00 vom Indira Gandhi International Airport abhob, war der Himmel absolut wolkenlos. So konnte man sehen, wie weit sich die Metropole Delhi erstreckt. Es dauerte eine ganze Weile bis wir die Lichter der Stadt hinter uns gelassen haben. Ohne VerspĂ€tung setzte der Airbus A320 um 23:30 wieder im 1.800 Kilometer entfernten Bangalore auf.

Agra

Mit knapp zwei Stunden VerspĂ€tung hob unser Flugzeug am Freitag um etwa 21:00 in Bangalore ab. Nach zweieinhalb Stunden Flug gen Norden landete unser Airbus A320 der Fluggesellschaft Indigo in Delhi. Vom Flughafen aus ließen Mareike und ich uns von einem Taxi zum Bahnhof bringen, um von dort aus die Weiterreise nach Agra zu organisieren. Ein Zug wĂ€re erst um 5:00 morgens gefahren, ein Bus um 1:00 war bereits voll, so entschieden wir fĂŒr zwei Tage ein Taxi zumieten.

PĂŒnktlich um 6:00 standen wir auf einem Parkplatz in Agra, einer 1,3-Millionen-Stadt im Bundesstaat Uttar Pradesh. Von dort aus mussten wir laufen, da der weitere Weg fĂŒr motorgetriebene Fahrzeuge gesperrt war. Das galt ĂŒbrigens auch fĂŒr den Luftraum, dort wurde Flugverbot erlassen.

Wir passierten patroullierende Soldaten und schließlich den Ticketschalter: “Indian citizen: 20 Rs, Foreigners: 750Rs”. Da wir doch nicht ganz indisch aussehen, lösten wir die teureren Tickets zu umgerechnet je knapp 15€.

Nachdem wir die flughafenĂ€hnlichen Sicherheitskontrollen passiert hatten, war in etwa 200 Metern Entfernung ein riesiges Tor zu sehen. Schaute man hindurch, konnte man es bereits erkennen – da stand es nun – errichtet auf einer 100m×100m großen Marmorplattform: das Taj Mahal.

Das Taj Mahal hat all meine Erwartungen weit ĂŒbertroffen. Das 58 Meter hohe Mausoleum wirkte auf mich fast unecht, eher wie eine Filmkulisse, wie gemalt. Aber es war echt – gebaut aus weißem Marmor mit eingelassenen Edelsteinen und Halbedelsteinen. In der Sonne strahlte das Taj Mahal prĂ€chtig. Es spiegelte sich in dem lĂ€nglichen Wasserbecken, das sich im Zentrum des 18 Hektar großen Gartens befindet. Der Bau des Taj Mahal wurde kurz nach dem Tod Mumtaz Mahals, der Lieblingsfrau von Großmogul Shah Jahan, im Jahr 1631 begonnen und bis 1648 fertig gestellt. Beteiligt waren ĂŒber 20.000 Handwerker und 1.000 Elefanten. Heute zĂ€hlt das Taj Mahal zu den sieben Weltwundern und gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Menschheit.

Schwer viel es mir das wunderschöne Taj Mahal wieder zu verlassen. Aber wir mussten weiter, denn es gab noch vieles zu sehen in Arga. Zweieinhalb Kilometer entfernt erreichten wir das Rote Fort (zu sehen im Video), ein Festungs- und Residenzbau aus der Epoche der Mogulkaiser. Wie das Taj Mahal gehört auch das Rote Fort dem UNESCO-Weltkulturerbe an.

Der Bau des Forts begann 1565 unter Akbar dem Großen und reichte bis ins 17. Jahrhundert hinein. Die gesamte Anlage ist von einer 21 Meter hohen Mauer umgeben, deren Umfang 2,4 Kilometer betrĂ€gt und ist wie die Mehrzahl der umschlossenen GebĂ€ude, in rotem Sandstein ausgefĂŒhrt. Im Innern befinden sich reprĂ€sentative PalĂ€ste, einige Moscheen und GĂ€rten.

Nach dem Mittagessen besichtigten wir das 10 Kilometer nördlich von Agra gelegene Sikandra. Dort befindet sich das Grabmal des Kaisers Akbar mitten in einem groß angelegten Garten.

Wir schlenderten ĂŒber einen großen Bazar, bevor wir zur Jama Masjid kamen. Die große Moschee wurde 1648 fĂŒr Prinzessin Jahanara Begum, wĂ€hrend der Regentschaft ihres Vaters Shah Jahan, gebaut. AuffĂ€llig sind die außergewöhnliche Kuppel und die Abwesenheit von Minaretten.

Gegen 18:00 wurde es dann dunkel und wir verließen Agra auf dem National Highway 2 in Richtung Delhi. In Mathura legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein. Dort konnten wir einen Blick auf den Krishna-Janma- Bhoomi-Tempel werfen. Dieser steht auf dem Geburtsplatz der Gottheit Krishna und wird zu Ehren dessen Geburtstags beleuchtet. Um 22:00 erreichten wir Delhi.

Weltkulturerbe: Hampi

Ich in Hampi
Ich in Hampi

HampiUm 22:30 fuhren wir am Freitag mit dem Bus nach Hampi. Um 6:00 erreichten wir unser ca. 350km entferntes Ziel. Nachdem wir unser GepĂ€ck in einem einfachen GĂ€stehaus untergebracht hatten, frĂŒhstĂŒckten wir und suchten uns einen ReisefĂŒhrer, der uns zu verschiedenen Tempeln begleitete und uns einen Überblick verschaffte.

Hampi ist eine alte Tempelruinenstadt und war einst eine hinduistische Hauptstadt. Heute, etwa 800 Jahre spĂ€ter, gehört Hampi zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zwischen außergewöhnlichen Felsenformationen, Bananen- und Palmenhainen fanden wir die Ruinen und Bauten des untergegangenen Königreiches von Vijayanagara. Bis zur Zerstörung durch die Moslems im Jahr 1565 war hier die letzte große Hindu-Dynastie.

HampiEine Mittagspause legten wir im bekannten Mangotree-CafĂ© ein. Das Restaurant befindet sich direkt am Fluss unter einem riesigen Mangobaum. Naben leckerem Essen, gibt es dort viele Sorten Lassi (natĂŒrlich auch Mango Lassi). Anschließend machten wir uns auf den Weg zu einer auf einem kleinen Berg gelegenen Ruine, um dort die Sonne beim untergehen zu beobachten. Bei klarem Himmel war der Anblick atemberaubend.

Am nĂ€chsten Tag besorgten wir uns eine Lagekarte und erkundeten die weiteren SehenswĂŒrdigkeiten der 30kmÂČ großen Tempelanlage auf eigene Faust. So einiges erinnerte mich hier sehr stark an den Film Indiana Jones und der Tempel des Todes, dessen Handlung in Indien spielt, allerdings in Sri Lanka gedreht wurde. Am Abend ließen wir es uns nicht nehmen noch einmal zu sehen wie sich der Himmel der mystischen Landschaft beim Sonnenuntergang rot einfĂ€rbte. (fĂŒr Großansicht auf das Panorama klicken!)

In der Nacht von Sonntag auf Montag fuhren wir wieder mit dem Bus zurĂŒck nach Bangalore.

Panorama von Hampi
Panorama von Hampi