Digital:Relaunch Konferenz: Interview mit GrĂŒnder und CEO Bernd Völcker

Digitalisierungskonferenz Digital:Relaunch - powered by #openspace, Digitalisierungspartner des Mittelstands von der Commerzbank
Digitalisierungskonferenz Digital:Relaunch am 11./12. Februar 2019 in Berlin

Bernd Völcker, GrĂŒnder und Vorstand der Infopark AG, entwickelt Digital-Strategien mit zukunftsfĂ€higen Lösungen fĂŒr eine erfolgreiche digitale Transformation fĂŒr Kunden aus dem Mittelstand, aus Behörden und Institutionen. Als Experte in den Bereichen Content- & Customer-Relationship-Management und mit seiner mehr als 20-jĂ€hrigen Erfahrung in der Umsetzung von Internet-Projekten, engagiert er sich am liebsten bei Projekten, die innovative Internet-Technologien mit digitalem Marketing und effizienten GeschĂ€ftsprozessen verbinden. Als Diplom-Kaufmann der Freien UniversitĂ€t Berlin, hat Bernd Völcker an der San Francisco State University im Masterprogramm Computer Science studiert und ist geprĂŒfter EDV-SachverstĂ€ndiger. Bei der Infopark AG ist Herr Völcker fĂŒr Projekte, Beratung, Marketing und Account Management zustĂ€ndig.

In dem folgenden Interview habe ich mit Bernd Völcker ĂŒber Digitalisierung, aktuelle Trends, den Stand in Deutschland, sowie den Auswirkungen auf die Finanzbranche gesprochen. Außerdem gibt das Interview einen Ausblick auf die Digitalisierungskonferenz Digital:Relaunch.

Alex Loth: Hallo Herr Völcker, vielen Dank fĂŒr das Interview. Lassen Sie uns mit der Digitalisierung beginnen. Welchen Einfluss hat die Digitalisierung speziell auf Ihren Alltag? Wie wĂŒrden Sie das beschreiben?

Bernd VölckerBernd Völcker: NatĂŒrlich nutze ich möglichst viele Möglichkeiten der Digitalisierung schon aus leidenschaftlichem Interesse an diesem Thema. Entsprechend prĂ€gt die Digitalisierung meine Arbeit und einen guten Teil meiner Freizeit. Ohne Digital Workspace ist mein Arbeitsalltag kaum noch vorstellbar. Durch meinen digitalen Arbeitsplatz bin ich zeitlich und örtlich ungebunden. Ich kann im Home-Office, im BĂŒro, im CafĂ© oder in einem Co-Working-Space arbeiten.

Viele Unternehmen nutzen diese Vorteile heute noch nicht. Trotzdem wird sich die Digitalisierung der Arbeitswelt noch erheblich ausweiten. Die durch die Digitalisierung gewonnene FlexibilitĂ€t und die neuen Möglichkeiten helfen mir nicht nur bei der Arbeit sondern auch in der Freizeit. Ob Gesundheit, Unterhaltung, Sport, ErnĂ€hrung, Freundeskreis – ĂŒberall nutze ich Digitalisierung.

Aufgrund der GesetzmĂ€ĂŸigkeit von Gordon Moore oder – in einem grĂ¶ĂŸeren Rahmen – dem Gesetz des sich beschleunigenden Nutzens von Ray Kurzweil, bin ich ĂŒberzeugt, dass am Ende alles digital sein wird. Die verbleibenden Fragen sind nur noch, welche Rolle der Mensch dabei spielen will und wie man eine bestehende Organisation erfolgreich zu einer digitalen Organisation transformiert.

Alex Loth: Was sind aktuell die grĂ¶ĂŸten Trends auf dem Gebiet Digitalisierung?

Bernd Völcker: Getrieben vom technischen Fortschritt setzt sich die Rationalisierung der Kommunikationsprozesse mit Hilfe der Digitalisierung immer schneller fort. Überall dort wo Informationen ĂŒber MittelsmĂ€nner ausgetauscht werden, wie Makler, Medien, Handel, Bildung, Politik, Finanzen, also im Grunde entlang aller Wertschöpfungsketten, findet die Digitalisierung zunĂ€chst in den bestehenden Prozessen statt. Dabei werden traditionelle Mechanismen durch digitale Prozesse ersetzt. Neben dieser Straffung entstehen zusĂ€tzlich neue Möglichkeiten, wo frĂŒher Geografie, Politik oder Zeit als Barrieren fĂŒr effizientere Wertschöpfung und Kommunikation existierten.

Airbnb, Uber oder Netflix sind Plattformen, die Kunden und Lieferanten direkt verbinden – ohne Mittelsmann, ohne unternehmerische Vorgeschichte, rein digital. Im Internet, wo juristische oder politische Grenzen nur eine untergeordnete Rolle spielen, wird GlobalitĂ€t schnell zum neuen Maß aller Dinge, denn Kunden digitaler Angebote verursachen sehr geringe Grenzkosten. Ein Trend ist, dass der kreativ-zerstörerische Prozess der Digitalisierung auch vor der Digitalisierung selbst nicht halt macht. Wenn man betrachtet, wie heute Digitalisierung entwickelt und betrieben wird, sieht man, was die Cloud in diesem Bereich alles substituiert. Die eigene ITK oder EDV-Abteilung im traditionellen VerstĂ€ndnis ist nicht mehr notwendig. WĂ€hrend globalen Anbietern IT-Infrastruktur geliefert wird, entstehen neuere Dienste heute auf den höheren Anwendungsebenen, auf Ebene der GeschĂ€ftslogik.

FĂŒr eine Website muss heute kein Content Management System mehr installiert werden, sondern man kann einen SaaS-Dienst in der Cloud nutzen. Das spart viel Zeit und Geld. Software zum selber installieren und betreiben, wie wir sie kennen, wird es schon bald nicht mehr geben, denn der Entwicklungsprozess fĂŒr Software hat sich verĂ€ndert. Google aktualisiert seine Suchmaschinen-Software im Schnitt mindestens einmal pro Tag. Das gilt nicht nur fĂŒr CMS oder Suche, sondern auch fĂŒr CRM, ERP oder sogar ganz klassische Office-Anwendungen. Die technische Ebene der Digitalisierung ist mittlerweile bekanntes Terrain.

Frameworks – gerade auch aus dem Open Source Bereich – liefern zusammen mit dem Betrieb in der Cloud einen nie dagewesenen Vorfertigungs- und Reifegrad fĂŒr die technische Umsetzung der Digitalisierung. Die MĂŒhsal des IT-Betriebs mit Rechenzentrum, nerdy Sysadmin, Festplatten-Crash, Installations-Orgien, SAP-Updates und Windows-Virus ist Vergangenheit. Übrigens sind auch die hohen AufwĂ€nde dafĂŒr Vergangenheit, denn die Digitalisierung ist auch in der IT ein Kostenkiller. Die Idee als Unternehmen eigene Dienste als Software as a Service in der Cloud anzubieten, ist dann nur logisch. Das Paradoxum ist, dass die erfolgreiche Digitalisierung fast ohne eigene technische Infrastruktur stattfindet. Die Bedeutungslosigkeit physischer Produktionsmittel in der digitalen Welt ist fĂŒr viele Unternehmen immer noch ein Schock. ZukĂŒnftig geht es nur noch um die abstrakte Beschreibung der eigenen GeschĂ€ftsprozesse.

Das hört sich einfach an, ist aber in der Praxis hĂ€ufig nicht leicht. Weil Unternehmen outsourcen, mit Zulieferern und Dienstleistern zusammenarbeiten oder weil Unternehmen schlicht zu groß sind, fehlt klassischen Organisationen nicht selten das Detailwissen, wie sie selbst arbeiten. Ich sehe in GesprĂ€chen immer wieder, dass man sich fĂŒr die erfolgreiche Digitalisierung zuerst um die Kundenbeziehung und die inhaltliche Logik des eigenen GeschĂ€fts kĂŒmmern sollte, bevor man anfĂ€ngt neue digitale Plattformen aufzubauen. Kundenorientierung ist ein zeitloser Trend, wenn man wirtschaftlich erfolgreich sein will.

Alex Loth: Wie weit ist Deutschland beim Thema Digitalisierung im internationalen Vergleich?

Bernd Völcker: Deutschland ist bei der Digitalisierung leider abgeschlagen, verglichen mit seinem Niveau in klassischen Industrien. Ich bin viel unterwegs und kann dies aus eigener Anschauung bestĂ€tigen. Es betrifft nicht nur die Breitband-Infrastruktur, die uns die Regierung seit einem Jahrzehnt verspricht und nicht liefert. Ich muss feststellen, dass man sowohl im europĂ€ischen Ausland, als auch in Amerika oder Asien teilweise deutlich weiter ist. Das Problem ist nicht fehlendes Wissen oder ein Ressourcenmangel, sondern langsame Umsetzung, die durch einen Konsens- und Planungs-Exzess ins Zeitlupentempo entschleunigt wird, wĂ€hrend andere LĂ€nder oft Ideen kopieren und ĂŒberholen. Diese LĂ€nder gehen das Thema Digitalisierung agiler, experimentierfreudiger und optimistischer an.

Andernorts steht die Begeisterung fĂŒr Chancen und Möglichkeiten im Vordergrund. Der völlig misslungene neue EU-Datenschutz (DSGVO), das Leistungsschutzrecht, die diskutierte Digitalsteuer, die geplanten EinschrĂ€nkungen im Wettbewerbsrecht oder die neue Privacy Richtlinie sind Beispiele fĂŒr den falschen Ansatz. Die KrĂ€fte der Digitalisierung wird man damit nicht regulieren. Das Internet fragt in Deutschland niemanden um Erlaubnis, wenn es einen GeschĂ€ftsprozess in den USA oder China digitalisiert. Unser aktuell hoher Wohlstand birgt leider das Risiko der digitalen TrĂ€gheit in sich. GĂ€be es in Europa eine schmerzhafte Notlage oder wĂŒrde man begreifen, dass es fĂŒnf vor zwölf ist, dann wĂŒrde es vermutlich weniger sinnlose Verordnungen und mehr wettbewerbsfĂ€hige digitale Produkte geben.

Jeder kann schon heute erkennen, dass das meiste im digitalen Bereich nicht mehr aus Europa kommt. Unter den Top-20 Anbietern im Technologie-Bereich ist kein einziger europĂ€ischer Anbieter. Die Wertschöpfung entsteht in anderen LĂ€ndern. Weite Teile der Politik und die Mehrheit der BĂŒrger hat keine ausreichende digitale Kompetenz, verweigert sich teilweise der Digitalisierung und will nicht wahrhaben, was dies fĂŒr die Zukunft von Europa bedeutet. Zur Erhaltung unseres Wohlstandsniveaus werden keine in Gesetze gegossenen Ideologien beitragen, sondern nur verkaufte digitale Top-Produkte. Diese Produkte machen wir entweder selbst oder andere machen das fĂŒr uns.

Alex Loth: Vielen Dank. Lassen Sie uns schauen, was die Zukunft bringt, und wie sich Studierende darauf vorbereiten können. Welche BĂŒcher haben Ihren Blick auf die Digitalisierung geprĂ€gt?

Bernd Völcker: Im Hinblick auf die Projekte und Strategie bin ich ein Fan der agilen Methoden. Diese sind aber nicht neu. Sie wurden in GrundzĂŒgen bereits von Sunzi, Clausewitz oder Moltke beschrieben. Diese Werke zu lesen, ist ziemlich anstrengend, aber durchaus lohnend, wenn man vorher ein Buch beispielsweise ĂŒber Scrum als Realisierungsmethode gelesen hat. Die NatĂŒrlichkeit dynamischer VerĂ€nderungen und volatiler Umgebungen sowie den sinnvollen Umgang damit kann man in der Geschichte gut erkennen.

Der Prozess des wirtschaftlichen Wandels und der wirtschaftlichen Mechanismen ist in vielen klassischen BĂŒchern der Volkswirtschaft und der Betriebswirtschaft gut beschrieben. Arbeitsteilung, Wertschöpfung, Globalisierung, WettbewerbskrĂ€fte, MĂ€rkte, Prozesse, Kommunikation, kreative Zerstörung sind auch die Fundamente einer digitalen Strategie. TatsĂ€chlich gibt es abgesehen von der Technik gar nicht so viel Neues, wie man vielleicht meinen wĂŒrde. Abstrakt ist die aktuelle Digitalisierung nur eine logische Weiterentwicklung der Industriegesellschaft. Ironischerweise ist man wahrscheinlich in einem gut sortierten Antiquariat hinsichtlich der Originale besser bedient als bei Amazon.

Alex Loth: Welchen Rat wĂŒrden Sie Studierenden geben, die die Digitalisierung aktiv mitgestalten wollen? Welchen Rat sollten sie ignorieren?

Bernd Völcker: Je nĂ€her man an den fĂŒhrenden Personen dran ist, umso besser. Da schafft ein Auslandsaufenthalt neue Perspektiven. Die WestkĂŒste der USA oder das Perlflussdelta in China wĂ€ren dafĂŒr mein Rat. Eine Redensart lautet: Probieren geht ĂŒber Studieren. Ein gutes Studium in diesem Bereich, etwa Computer Science, schafft sicher eine Basis – kostet aber Zeit. Kaum ersetzbar sind hingegen die Erfahrungen, durch eigenes Schaffen in der Praxis. Eine moderne Entwicklungsumgebung zu beherrschen und zu versuchen, einen kleinen digitalen Prototypen selbst zu bauen, kann lehrreich sein. Als Einstieg bieten sich die Nanodegrees auf verschiedenen Plattformen an. Im schlechten Fall bekommt man danach einen gut bezahlten Job. Im Erfolgsfall braucht man diesen gar nicht mehr. Welchen Rat man ignorieren sollte? Keinen. Offenheit ist gut. Aber man sollte sich nicht von RatschlĂ€gen anderer abhĂ€ngig machen. Das gilt selbstverstĂ€ndlich auch fĂŒr meine Empfehlungen.

Alex Loth: Insbesondere die Finanzbranche erlebt durch die Digitalisierung einen fundamentalen Umbruch. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Zukunftstrends im Finanzsektor?

Bernd Völcker: Was wir in der Finanzbranche heute erleben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Und natĂŒrlich sind die aktuellen UmbrĂŒche in diesem Sektor neben der Digitalisierung auch noch von anderen Herausforderungen geprĂ€gt. Meiner EinschĂ€tzung nach wird der ganze Sektor wie wir ihn heute kennen von digitalen Diensten im Internet vollstĂ€ndig substituiert werden. Das ist fĂŒr mich nur eine Frage der Zeit. Banken und Versicherungen stehen in der Wertschöpfungskette genau auf der Man-in-the-Middle-Position, die im Internet-Zeitalter ĂŒberflĂŒssig geworden ist. Anbieter und Nachfrager werden in Zukunft direkt miteinander kommunizieren und die Transaktionen miteinander abwickeln. Das kann man heute bereits exemplarisch beim Austausch von digitalen Assets ĂŒber Blockchains oder ganz einfach bei Peer-2-Peer Kreditplattformen sehen. Viele meinen ja, dass unser Euro eine echte Sache sei und beispielsweise Bitcoins nicht real seien.

Dabei ist es in Wirklichkeit genau umgekehrt: Der Euro ist als Fiat-WĂ€hrung völlig virtuell, wĂ€hrend Bitcoins durch den Proof-of-Work einen realen Wert haben. Zwar bin ich mir sehr sicher, dass die Facetten der Finanzbranche in ihrer heutigen Form durch etwas neues ersetzt werden, aber ich kann nicht vorhersagen, wann dies passiert. Von der Schallplatte bis zu Spotify hat es knapp 30 Jahre gebraucht, mit den Zwischenschritten mp3, Compact Disk, Napster, iPod und iTunes. Vermutlich werden Lobbyisten, mit Hilfe von Regulierungen und Verordnungen den Sterbeprozess der Finanzbranche durch ein RĂŒckzugsgefecht möglichst lange hinziehen wollen. Wohin das fĂŒhrt, kann man bei Mobile-Payment wunderbar sehen. In vielen LĂ€ndern ist mobiles Bezahlen heute völlig normal, in Deutschland hingegen dank hiesiger Banken noch weitestgehend ungenutzt. Die Geschwindigkeit des Wandels wird stark von der Konsumentenakzeptanz abhĂ€ngen.

Die Konsumenten werden sich bei der Wahl ihrer Dienstleister gerade im vertrauens-sensitiven Finanzbereich an starken Marken orientieren. Nur sind die digitalen Marken von Apple, Google, Tencent, Alibaba oder Paypal heute mindestens so stark wie das Logo der Sparkasse. Die digitalen Anbieter haben aber viel mehr Daten. Vielleicht hilft dem Finanzsektor der aktuelle Umbruch auch: Nichts wirkt so katalysierend fĂŒr Hemmnisse der digitalen Transformation wie eine gute, substanzielle Krise.

Alex Loth: Sehr interessant. Kommen wir nun zur Digitalisierungskonferenz Digital:Relaunch. An wen richtet sich die Konferenz?

Bernd Völcker: Die Konferenz Digital:Relaunch richtet sich an Unternehmen, die vor der Digitalisierung stehen und in denen traditionelle GeschĂ€ftsmodelle durch digitale ergĂ€nzt, ersetzt oder transformiert werden. Die Teilnehmer dieser Konferenz kommen aus der GeschĂ€ftsfĂŒhrungs- und Leitungsebene. Die Konferenz Digital:Relaunch richtet sich an alle, die sich mit der Digitalisierung im Unternehmen befassen oder in die Digitalisierung ihrer Organisation einsteigen wollen.

Alex Loth: Welche Ziele verfolgt Digital:Relaunch?

Bernd Völcker: Im Mittelpunkt der Digital:Relaunch Konferenz stehen erfolgreiche Praxisbeispiele der Digitalisierung von Unternehmen aus Deutschland. Vorgestellt werden diese Best-Practices von den Unternehmen selbst und von renommierten Experten zu den Themen Strategie, Leadership, Arbeit, digitale GeschÀftsmodelle und digitales Marketing.

Die Konferenz gibt es schon lĂ€nger. Sie hat sich seit mehr als 15 Jahren kontinuierlich zu dem weiterentwickelt, was sie heute ist. Grund fĂŒr den Erfolg ist der Umstand, das es fĂŒr Unternehmen schwer ist, den Überblick bei der Digitalisierung zu behalten. Da hilft der Erfahrungsaustausch. Welches GeschĂ€ftsmodell ist richtig? Wie gehe ich bei der Umsetzung vor? Wie entwickle ich eine gute Digital-Strategie? Ist ein Digital Workplace auch etwas fĂŒr uns? Die wichtigsten Trends, Strategien und Lösungen werden vorgestellt ohne in den Sourcecode abzugleiten.

Die Digital:Relaunch hat Business-Fokus. Die Teilnehmer der Konferenz erhalten einen guten Überblick ĂŒber die wichtigsten Themen und gleichzeitig viele Handlungsempfehlungen aus der Praxis, die bei den anstehenden Entscheidungen helfen. Das zweitägige Programm am 11. und 12. Februar 2019 bietet auch reichlich Möglichkeiten zum Networking unter Teilnehmern und Referenten.

Alex Loth: Auf welchen Vortrag bzw. Workshop sind Sie ganz besonders gespannt?

Bernd Völcker: Eine sehr schwierige Frage. Ein Blick auf das Programm zeigt viele interessante BeitrĂ€ge. Nehmen wir einfach den ersten Speaker: Dr. Holger Schmidt. Er ist Digital Economist, Keynote-Speaker, Uni-Dozent und Buchautor. Als Journalist hat er zwei Jahrzehnte ĂŒber die Digitalisierung der Wirtschaft geschrieben, davon 15 Jahre fĂŒr die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Holger Schmidt wird erklĂ€ren, worauf sich Entscheider in der Plattform-Ökonomie einstellen mĂŒssen. In den ersten Jahren der Digitalisierung haben sich die Unternehmen allzu oft auf ihre internen Prozesse fokussiert, aber dabei vergessen, neue digitale GeschĂ€fte aufzubauen. Dort liegt die wahre Wertschöpfung und dort werden die nachhaltig wirkenden Wettbewerbsvorteile erzielt.

Gewinnen Sie Tickets fĂŒr die Digital:Relaunch

Möchten Sie eine von zwei Freikarte (im Wert von je 535 Euro) gewinnen? Dann habe ich eine gute Nachricht fĂŒr meine Twitter-Follower: retweeten Sie den folgenden Tweet, um an der Verlosung teilzunehmen!

Teilnahme bis zum 01.01.2019. Freikarten bereitgestellt von der infopark AG. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Predictive Maintenance hilft Ihnen Wartungsmaßnahmen effizient zu gestalten

Screenshot
Predictive Maintenance zeigt verbleibende Nutzungsdauer von AufzĂŒgen der Deutschen Bahn: klicken, um interaktives Dashboard zu öffnen

Nicht nur die Fertigungskosten lassen sich mit Predictive Maintenance senken. Auch im Dienstleistungsbereich entsteht durch Vorhersagen enormes Optimierungspotential. Im wesentlichen lassen sich die Fragestellungen, die im Rahmen von Predictive Maintenance gestellt werden, in drei Klassen einteilen:

  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein GerĂ€t in naher Zukunft ausfĂ€llt?
  • Was sind die Ursachen von AusfĂ€llen und welche Instandhaltungsmaßnahmen sollten durchgefĂŒhrt werden, um diese Probleme zu beheben?
  • Wie lang ist die Nutzungsdauer eines GerĂ€tes?

Ein Beispiel, das die Frage der Nutzungsdauer in den Mittelpunkt rĂŒckt, zeigt das Dashboard Predictive Maintenance Deutsche Bahn Elevators. Dieses Dashboard sagt voraus, wie lange AufzĂŒge noch ohne Wartung auskommen (“Rest of Useful Life”). Mit dem Parameter “Material Wear Off” lĂ€sst sich zudem der Grad der Abnutzung beeinflussen.

Die visualisierten Sensordaten erlauben darĂŒber hinaus die Möglichkeit Anomalien zu entdecken. Hier lassen sich mit den Parametern “Primary Sensor” und “Secondary Sensor” verschiedene Kombinationen analysieren. In der “Setting Matrix” werden die verschiedene Einstellungen, die beim Betreiben der AufzĂŒge angewandt werden zusammengefasst.

Details zu den AufzĂŒgen werden im Tooltip angezeigt. In diesen Tooltips lassen sich darĂŒber hinaus WartungsauftrĂ€ge via Twitter triggern:

 

Anstatt auf eine Störung zu reagieren, können Servicetechniker somit auf Vorhersagen zurĂŒckgreifen. Damit agieren sie bereits vor einem Ausfall des Aufzugs entsprechend. Techniker sind somit in der Lage einen Aufzug aus der Ferne in den Diagnosemodus zu versetzen und ihn auf einer bestimmten Etage zu parken. All dies fĂŒhrt zu weniger Anfahrtszeiten, gesteigerter Effizienz und geringeren Kosten.

Dieses und weitere Beispiele zeige ich auf meinem Vortrag “Industry 4.0: Self Service BI and Predictive Maintenance“ im Rahmen des IBI Symposium am 17. November 2016 in Stuttgart.

[Update 24 Mar 2017]: Das Predictive Maintenance Dashboard wird außerdem auf der CeBIT 2017 im Rahmen der “neuen datenbasierten GeschĂ€ftsmodelle und Big Data bei der DB” vorgestellt:

4 Methoden um mit Predictive Maintenance Kosten zu senken

Predictive Maintenance Dashboard auf Tableau Mobile und IoT Realtime Feed auf Tableau Desktop
Predictive Maintenance Dashboard auf Tableau Mobile und IoT Realtime Feed auf Tableau Desktop

Instandhaltungskosten machen einen großen Teil der Fertigungskosten aus. Je nach Industrie werden die Instandhaltungskosten auf 15 bis 60 Prozent der Gesamtkosten geschĂ€tzt.

Das Ziel von Predictive Maintenance (PdM), der vorausschauenden Instandhaltung, ist es vorherzusagen wann eine Maschine ausfÀllt. Wird Predictive Maintenance als Instandhaltungsstrategie eingesetzt, werden Maschinen nur noch gewartet, sobald ein Ausfall vermutlich eintreten wird. Somit hilft Predictive Maintenance die Instandhaltungskosten deutlich zu senken.

Jene Vorhersagen, die hÀufig im Kontext mit Industrie 4.0 gesehen werden, lassen sich auf Grundlage folgender Fakten treffen:

  • Aktuelle Sensordaten: Wie verhĂ€lt sich die Maschine gegenwĂ€rtig?
  • Historische Sensordaten: Wie hat sich die Maschine in der Vergangenheit verhalten?
  • Benachbarte Sensordaten: Wie haben sich andere, Ă€hnliche Maschinen verhalten?
  • Instandhaltungsprotokoll: Wann wurde die Maschine zuletzt gewartet oder getauscht?
  • Instandhaltungsempfehlung: Welche Wartungsintervalle empfiehlt der Hersteller?

Solche Daten aus dem “Internet der Dinge” (IoT) lassen sich nun nicht ohne weiteres sinnvoll auf einem Dashboard darstellen. Ein Blick auf die bloßen Daten lĂ€sst hier kaum SchlĂŒsse zu. So ist es fĂŒr erfolgreiches Predictive Maintenance essentiell, dass statistische Methoden wie diese angewandt werden:

1. Mustererkennung: Das Erkennen von AbhÀngigkeiten zwischen bestimmten Ereignissen und AusfÀllen von Maschinen zeigt zum Beispiel auf, dass eine Maschine ausfÀllt, die durch die Verarbeitung eines bestimmten Materials besonders belastet worden ist.

2. Trendmodell: Der Trend gibt den Verlauf der Zeitreihe bis zum Ausfall der Maschine wieder. Die Modellierung erfolgt mit Hilfe verschiedener RegressionsansÀtze und umfasst eine Trendkomponente, eine Saisonkomponente und eine Rauschkomponente.

3. Ereigniszeitanalyse: Die Analyse historischer Daten zu AusfÀllen liefert ein weiteres Modell, das gegen aktuelle Messdaten gelegt werden kann, um damit die Dauer bis zum nÀchsten Ausfall bestimmen zu können.

4. Kritische Schwellwerte: Die PrĂŒfung, ob bestimmte Schwellwerte ĂŒberschritten worden sind. Solche Schwellwerte werden initial von Experten festgelegt, können aber spĂ€ter durch Maschinelles Lernen korrigiert werden.

Diese Methoden lassen sich zum Beispiel in R implementieren. Die Resultate zeigen konkrete Handlungsempfehlungen und eignen sich somit ausgezeichnet fĂŒr Dashboards, die auch auf Tablets oder Smartphones gut zur Geltung kommen und fortlaufend aktualisiert werden.

Welche Daten und Methoden nutzen Sie fĂŒr Ihre Instandhaltungsstrategie? Ich freue mich auf Kommentare und Anregungen.

[Update 16 Mar 2016]: Predictive Maintenance mit Tableau wird außerdem auf der CeBIT 2016 am Stand der Deutschen Telekom im Rahmen von “Echtzeit-Analysen von Maschinendaten und externen Datenquellen” vorgestellt: